| In großer Gefahr
Ich wollte mich eben am Ufer eines reißenden Stromes niedersetzen um mich auszuruhen, als ich auf einmal ein seltsames Geräusch hörte. Ich sah zurück und wurde fast versteinert, als ich einen grässlichen Löwen erblickte, der gerade auf mich zukam und offensichtlich die Absicht hatte, mich zum Frühstück zu fressen. Meine Flinte war nur mit Schrot geladen. Ich hatte keine Zeit, mich lange zu besinnen. Doch entschloss ich mich auf die Bestie zu feuern, in der Hoffnung sie zu erschrecken oder zu verwunden. Da ich aber aus Angst nicht wartete, bis der Löwe in Schussweite war, wurde er äußerst wütend und ging mit aller Heftigkeit auf mich los. Ich versuchte zu entfliehen. Als ich mich aber umgedreht hatte, erblickte ich wenige Schritte von mir entfernt ein scheußliches Krokodil, das seinen riesigen Rachen aufgesperrt hatte um mich zu verschlingen. Meine Lage schien aussichtslos. Hinter mir der Löwe, vor mir das Krokodil, zu meiner linken ein reißender Strom, zu meiner rechten ein Abgrund, in dem sich die giftigsten Schlangen aufhielten. Betäubt stürzte ich zu Boden. Jede Sekunde erwartete ich die Zähne oder Klauen des gefräßigen Raubtieres zu fühlen oder im Rachen des Krokodils zu stecken. Doch nach kurzer Zeit hörte ich einen starken, aber fremden Laut. Ich wagte es endlich, entschlossen meinen Kopf zu heben und mich umzuschauen. Zu meiner unaussprechlichen Freude fand ich, das der Löwe in der Hitze, in der er auf mich losschoss, über mich weg in den Rachen des Krokodils gesprungen war. Der Kopf des einen steckte jetzt im Schlund des anderen. Mit aller Macht bemühten sich die beiden Raubtiere, sich voneinander loszureißen. Gerade zur rechten Zeit sprang ich auf, zog meinen Hirschfänger und haute den Kopf des Löwen mit einem einzigen Schlag ab. Der Rumpf des Tieres zuckte zu meinen Füßen. Dann rammte ich mit dem unteren Ende meines Schießeisens den Kopf noch tiefer in den Rachen des Krokodils, sodass es jämmerlich ersticken musste. Nach diesem Sieg über zwei fürchterliche Feinde kam mein Freund, um sich nach der Ursache meines Zurückbleibens zu erkundigen. Nach gegenseitigen Glückwünschen maßen wir das Krokodil und stellten mit einer gewissen Zufriedenheit fest, dass es mehr als zwölf Meter lang war. Später wurde die Haut ausgestopft und als eine der größten Merkwürdigkeiten im Museum in Amsterdam ausgestellt. Jeder Besucher, der sich dafür interessierte, kann sich die aufregende Jagdgeschichte dort vom Aufsichtspersonal erzählen lassen. (nach Gottfried August Bürger) KATJA B. |
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