Semper 1850 dessen Nachfolger
an der Neuen Dresdner
Architekturschule der Dresdner
Kunstakademie geworden war.
Der zweigeschossige Sandsteinbau hatte vier durchgegliederte, aufwendig gestaltete Fassaden
mit Motiven italienischer Stadtpaläste im Stil der Neorenaissance. Die zur Parkstraße gerichtete
ca. 46 m breite Hauptfassade war als Stadtpalast mit vorgelagerter Auffahrt und
darüberliegender
Loggia entworfen, die zur Gellertstraße gerichtete ca. 29 m breite Seitenfassade war
villenartig mit zwei doppelgeschossigen Loggien gestaltet. Die innere Struktur erfolgte nach
der „Zentralraumidee“ als dem wichtigsten Motiv von Gottfried Semper: ein oktogonaler
Zentralraum in Grundriß und Schnitt erstreckt sich über Parterre- und Obergeschoß. Für die Innenausstattung
verwendete man edelste Materialien.
Bauherr dieser monumentalen Villa war der Bankier und Kaiserlich Russische Staatsrat Hermann
Christian Frhr. v. Kap-herr, der Vater der ersten Kap-herr‘s auf den Schloßgütern Lockwitz,
Bärenklause und Prohlis. Anläßlich seines Umzugs von St. Petersburg nach Dresden erwarb er
1867 erst das oben erwähnte Palais Oppenheim, welches er aber 1869 wieder an den Bankier
Felix v. Kaskel verkaufte. Für sich und die Familie seines erstgeborenen Sohnes, Karl Johann auf
Lockwitz, ließ er daraufhin für ca. 630.000 Mark das neue Stadtpalais errichten, welches auch
bei der Umgestaltung von Schloß Prohlis 1887–1888 in vielen Details als Vorbild dienen sollte.
Wesentliche Zweckbestimmung des mit ca. 4.000 qm Nutzfläche für heutige Verhältnisse riesigen
Palais Kap-herr war neben der Wohnnutzung wohl die öffentliche Repräsentation. Im
Parterre befanden sich die Wohn- und Schlafräume der Familie sowie Entree, Vestibül und
Haupttreppe zu den prachtvollen Repräsentations- und Empfangsräumen im Obergeschoß. Im
Souterrain befanden sich die Personal- und Versorgungsräume, ein Seitengebäude beherbergte
Kutscherhaus und Pferdeställe.
Das Palais Kap-herr kam nach Karl Johann‘s Tod um 1920 in
königlichen Besitz und diente seitdem u.a. als Ausstellungsgebäude, so von 1925 –1931 für Teile der Neuen Abteilung der
Gemäldegalerie. Nach den Luftangriffen im Februar 1945 brannte das Palais völlig aus. Trotz
heftiger Proteste des Landesdenkmalamts begannen ab 1952 Abrißarbeiten und
Sprengungen, 1959 wurde eines der letzten damals in Dresden noch vorhandenen Baudenkmale im Stil
der Semper-Nicolai-Schule völlig beseitigt. Heute ist das Grundstück Teil von Wiesen und Straßen.
Moritz Frhr. v. Crailsheim
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Dieser
Artikel erschien im Jahr 2003 in der Festschrift des 12. Prohliser Herbstfestes.